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ST – Wolfgang

Bolfánek – die bedeutendste Kultstätte
des Heiligen Wolfgang in Böhmen

Der Hügel Žďár nad Chudenicemi, heute unter dem Volksnamen Bolfánek bekannt, ist die bedeutendste Stätte der Verehrung des Heiligen Wolfgang in Böhmen. Seine Geschichte beginnt nicht erst in der Zeit des Hochbarocks, sondern reicht viel tiefer zurück – bis zur Legende von der Anwesenheit des Heiligen an der tschechisch-bayerischen Grenze und bis zum Gedächtnis der Landschaft, die diese Tradition sowohl in Stein als auch in Erzählungen bewahrt hat.
Im 18. Jahrhundert verwandelte das Geschlecht der Černíns diesen Ort in eine monumentale Wallfahrtsanlage, in der sich Glaube, Repräsentation und bewusst gestaltete Landschaft miteinander verbanden. Der heutige Turm mit der Kapelle „Šlépěj“ ist somit nicht nur ein markantes Wahrzeichen der Skyline von Chudenice, sondern auch eine Erinnerung an die untergegangene Welt der barocken Wallfahrtskultur.

Bolfánek – Blick aus der Drohne

Eine Legende, die sich in die Landschaft eingeprägt hat

Einer alten Überlieferung zufolge reiste der heilige Wolfgang auf seiner Reise durch die böhmischen Länder und ruhte sich auf dem Rückweg nach Regensburg in einer Höhle unterhalb des Hügels Žďár aus. Dieser Ort wird bis heute als Wolfgangs „Lager“ bezeichnet. Der Legende nach sollen auch die Abdrücke seiner Fußspuren und seiner Krücken im Stein erhalten geblieben sein – greifbare Spuren der Anwesenheit des Heiligen, die über Jahrhunderte hinweg die lokale Frömmigkeit geprägt haben.
Diese Tradition ist nicht nur eine spätere Volkssage. Bereits der Jesuitenautor Albert Chanovský hielt sie in seiner Schrift „Vestigium Bohemiae piae“ aus dem Jahr 1659 fest, in der der heilige Wolfgang als Pilger und Missionar auftritt, dessen Spuren sich in die tschechische Landschaft eingeprägt haben. Gerade diese Vorstellung verlieh dem Ort seine außergewöhnliche spirituelle Kraft – die Landschaft wurde hier nicht als bloße Kulisse verstanden, sondern als Trägerin der Erinnerung und als Zeichen der Nähe des Heiligen.
Eng mit diesem Ort verbunden ist auch die Familientradition der Černíns aus Chudenice. Einer überlieferten Legende zufolge wurde Humprecht Černín im Jahr 1601 in einem Traum von einem Engel aufgefordert, die Kapelle des Heiligen Wolfgang oberhalb von Chudenice zu besuchen, da er innerhalb von drei Tagen sterben werde. Diese Geschichte zeugt von einer starken persönlichen Bindung des Geschlechts an diesen Ort, die sich in den folgenden Generationen in eine gezielte Förderung der Wallfahrtsstätte des Heiligen Wolfgang verwandelte.
Im 18. Jahrhundert verwandelte das Geschlecht der Černíns diesen Ort in eine monumentale Wallfahrtsanlage, in der sich Glaube, Repräsentation und bewusst gestaltete Landschaft miteinander verbanden. Der heutige Turm mit der Kapelle im Untergeschoss ist somit nicht nur ein markantes Wahrzeichen der Skyline von Chudenice, sondern auch eine Erinnerung an die untergegangene Welt der barocken Wallfahrtskultur.

Fuehrich, 1852 – St Wolfgang

Von einer Kapelle zu einem Wallfahrtsort

Die Ursprünge des Wallfahrtsortes selbst lassen sich wahrscheinlich bis zur Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zurückverfolgen, als auf dem Žďár-Hügel eine Kapelle oder ein kleiner Schrein stand. Aus dem 17. Jahrhundert liegen uns zuverlässige schriftliche Quellen vor, in denen die Kapelle, der Turm und die Felsenhöhle erwähnt werden, die mit der Legende des Heiligen Wolfgang in Verbindung stehen.
Die Bedeutung des Ortes nahm allmählich zu. Pilger kamen aus Böhmen und dem benachbarten Bayern hierher, angezogen nicht nur von ihrer Verehrung für den Heiligen, sondern auch von der Heilquelle am Fuße des Hügels. Die ursprüngliche Kapelle konnte den Zustrom der Besucher nicht mehr bewältigen.

Eine barocke Verwandlung

Graf František Josef Černín ließ daher an der Stelle des älteren Heiligtums eine monumentale Wallfahrtskirche errichten, die 1726 geweiht wurde. Der Entwurf stammte von dem bedeutenden Barockarchitekten František Maxmilián Kaňka.
Es handelte sich jedoch nicht lediglich um eine neue Kirche.
Im barocken Verständnis wurde ein Wallfahrtsort als Ganzes begriffen: Der Aufstieg, die Rast, das Gebet, die Aussicht und die Kirche selbst bildeten einen einzigen spirituellen Raum. Die Wallfahrtskirche war somit kein isoliertes Gebäude auf einem Hügel, sondern der Höhepunkt einer sorgfältig gestalteten Wallfahrtslandschaft.
Was wir heute in erster Linie als Aussichtspunkt wahrnehmen, war damals ein Ort der Wallfahrt, des Gebets, des gemeinsamen Rituals und der inneren Besinnung.

Stich von Chudenice

Ein Ort zwischen Böhmen und Bayern

Příběh Bolfánku od počátku přesahoval regionální rámec.
Kult sv. Wolfganga byl úzce spojen s Řeznem, které představovalo hlavní centrum jeho úcty a významnou duchovní i kulturní křižovatku střední Evropy. Chudenické poutní místo tak bylo součástí širšího česko-bavorského prostoru, v němž se po staletí prolínaly poutní tradice, kulturní kontakty i šlechtická reprezentace.
Bolfánek proto není jen lokální památkou, ale připomínkou dlouhodobého propojení českého a bavorského kulturního prostoru.

Ein Ort, der die Zeit überdauert hat

Von der einstigen monumentalen Wallfahrtsanlage sind bis heute vor allem der Turm der ehemaligen Kirche und die Fußabdruckkapelle erhalten geblieben. Dennoch hat der Ort seine außergewöhnliche Bedeutung bewahrt.
Bolfánek ist heute nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel und ein Aussichtspunkt über die Landschaft des Chudenicka. Es ist auch ein Ort, an dem bis heute Legende, Geschichte, Landschaft und die Erinnerung an die einstige Wallfahrtstradition aufeinandertreffen.